"Investigative Recherche"
Raqqa: Die Kurden, die nicht gesehen werden
Eine Felduntersuchung über Identität zwischen Transformationen, Schweigen und Angst
Eine Felduntersuchung über Identität zwischen Transformationen, Schweigen und Angst
Vorbereitung der Untersuchung: Baran Jamo / Aus dem Inneren von Raqqa: Baran – Haitham
Gesamtleitung: Ibrahim M. Kaban
Gesamtleitung: Ibrahim M. Kaban
Einleitung der Untersuchung
Raqqa gilt als eine der komplexesten syrischen Städte in Bezug auf ihre sozialen und politischen Transformationen der letzten fünfzehn Jahre. Diese Komplexität ergibt sich nicht nur aus dem wiederholten Wechsel der kontrollierenden Akteure, sondern vor allem aus der nahezu vollständigen Umgestaltung ihrer sicherheitlichen, demografischen und sozialen Struktur in mehreren aufeinanderfolgenden Zäsuren.
Vor 2011 funktionierte die Stadt innerhalb eines stark zentralisierten Systems, in dem Sicherheitsbehörden eine zentrale Rolle bei der Verwaltung des öffentlichen Raums spielten. Die sozialen Beziehungen waren weitgehend durch traditionelle tribale und lokale Strukturen geprägt. Der politische Raum war stark eingeschränkt, und öffentliche Ausdrucksformen – einschließlich ethnischer oder politischer Identität – unterlagen strenger Kontrolle. In diesem Kontext lebten alle Gemeinschaften, einschließlich der Kurden, in einer Form von „nicht sichtbarer Präsenz“ oder „politisch eingeschränkter Existenz“, ohne dass dies eine demografische oder soziale Abwesenheit bedeutete.
Mit dem Ausbruch der syrischen Krise im Jahr 2011 trat Raqqa in eine schnelle und instabile Übergangsphase ein. Der schrittweise Rückzug der staatlichen Zentralgewalt führte zu Sicherheits- und Verwaltungsvakuum, die rasch von verschiedenen lokalen Akteuren gefüllt wurden. Diese Phase war kein einfacher Übergang von einem System zum anderen, sondern der Beginn einer strukturellen Auflösung der traditionellen Autoritätsordnung und der Entstehung neuer Machtformen, die auf bewaffneter Kontrolle und wechselnden lokalen Loyalitäten basierten.
Später, mit dem Aufstieg bewaffneter Gruppen und der Kontrolle des sogenannten „Islamischen Staates“ über die Stadt im Jahr 2014, trat Raqqa in eine ihrer gewaltsamsten Phasen ein. Der öffentliche Raum wurde radikal neu strukturiert, was Bevölkerung, Lebensweisen und soziale Beziehungen betraf. In dieser Zeit kam es zu massiven demografischen Verlusten, einschließlich Zwangsvertreibungen sowie interner und externer Fluchtbewegungen, die alle gesellschaftlichen Gruppen betrafen – einschließlich der Kurden – im Kontext umfassender Gewalt und ideologischer Kontrolle.
Nach 2017, nach dem Ende der Kontrolle des IS und dem Einmarsch der SDF in die Stadt, begann eine neue Phase administrativer und sicherheitlicher Neuordnung. Es wurden Versuche unternommen, lokale Institutionen wieder aufzubauen und eine neue zivile Verwaltung zu etablieren. Dennoch konnte diese Phase die Folgen der vorherigen Transformationen nicht vollständig überwinden. Raqqa bleibt eine Stadt, die ihre politische und soziale Identität weiterhin neu definiert – in einem unsicheren Umfeld.
Vor diesem Hintergrund erscheint die kurdische Präsenz in Raqqa nicht als isoliertes Phänomen, sondern als Teil dieser umfassenden Transformationen. Die Kurden waren nicht außerhalb dieses Prozesses, sondern wurden von jeder seiner Phasen direkt beeinflusst – durch wechselnde Stabilitätsbedingungen, sicherheitspolitische Veränderungen und die Transformation sozialer Beziehungen innerhalb der Stadt und ihres Umlandes.
Während die Narrative über diese Präsenz heute stark variieren – zwischen einer Sichtweise als historische Koexistenz und der Interpretation als stark durch politische und sicherheitsrelevante Umstände geprägt – bleibt eine Konstante bestehen: Raqqa hat sich bislang nicht auf eine endgültige soziale oder politische Identität festgelegt. Alle Bestandteile der Bevölkerung, einschließlich der Kurden, existieren weiterhin innerhalb dieses sich wandelnden Rahmens.
Diese Untersuchung basiert auf diesem Hintergrund, um die kurdische Erfahrung in Raqqa nicht als isoliertes Thema zu behandeln, sondern als Teil einer Stadt, die durch den Krieg mehrfach neu geformt wurde und sich weiterhin in einem Prozess der Selbst- und Gesellschaftsdefinition befindet.
Raqqa gilt als eine der komplexesten syrischen Städte in Bezug auf ihre sozialen und politischen Transformationen der letzten fünfzehn Jahre. Diese Komplexität ergibt sich nicht nur aus dem wiederholten Wechsel der kontrollierenden Akteure, sondern vor allem aus der nahezu vollständigen Umgestaltung ihrer sicherheitlichen, demografischen und sozialen Struktur in mehreren aufeinanderfolgenden Zäsuren.
Vor 2011 funktionierte die Stadt innerhalb eines stark zentralisierten Systems, in dem Sicherheitsbehörden eine zentrale Rolle bei der Verwaltung des öffentlichen Raums spielten. Die sozialen Beziehungen waren weitgehend durch traditionelle tribale und lokale Strukturen geprägt. Der politische Raum war stark eingeschränkt, und öffentliche Ausdrucksformen – einschließlich ethnischer oder politischer Identität – unterlagen strenger Kontrolle. In diesem Kontext lebten alle Gemeinschaften, einschließlich der Kurden, in einer Form von „nicht sichtbarer Präsenz“ oder „politisch eingeschränkter Existenz“, ohne dass dies eine demografische oder soziale Abwesenheit bedeutete.
Mit dem Ausbruch der syrischen Krise im Jahr 2011 trat Raqqa in eine schnelle und instabile Übergangsphase ein. Der schrittweise Rückzug der staatlichen Zentralgewalt führte zu Sicherheits- und Verwaltungsvakuum, die rasch von verschiedenen lokalen Akteuren gefüllt wurden. Diese Phase war kein einfacher Übergang von einem System zum anderen, sondern der Beginn einer strukturellen Auflösung der traditionellen Autoritätsordnung und der Entstehung neuer Machtformen, die auf bewaffneter Kontrolle und wechselnden lokalen Loyalitäten basierten.
Später, mit dem Aufstieg bewaffneter Gruppen und der Kontrolle des sogenannten „Islamischen Staates“ über die Stadt im Jahr 2014, trat Raqqa in eine ihrer gewaltsamsten Phasen ein. Der öffentliche Raum wurde radikal neu strukturiert, was Bevölkerung, Lebensweisen und soziale Beziehungen betraf. In dieser Zeit kam es zu massiven demografischen Verlusten, einschließlich Zwangsvertreibungen sowie interner und externer Fluchtbewegungen, die alle gesellschaftlichen Gruppen betrafen – einschließlich der Kurden – im Kontext umfassender Gewalt und ideologischer Kontrolle.
Nach 2017, nach dem Ende der Kontrolle des IS und dem Einmarsch der SDF in die Stadt, begann eine neue Phase administrativer und sicherheitlicher Neuordnung. Es wurden Versuche unternommen, lokale Institutionen wieder aufzubauen und eine neue zivile Verwaltung zu etablieren. Dennoch konnte diese Phase die Folgen der vorherigen Transformationen nicht vollständig überwinden. Raqqa bleibt eine Stadt, die ihre politische und soziale Identität weiterhin neu definiert – in einem unsicheren Umfeld.
Vor diesem Hintergrund erscheint die kurdische Präsenz in Raqqa nicht als isoliertes Phänomen, sondern als Teil dieser umfassenden Transformationen. Die Kurden waren nicht außerhalb dieses Prozesses, sondern wurden von jeder seiner Phasen direkt beeinflusst – durch wechselnde Stabilitätsbedingungen, sicherheitspolitische Veränderungen und die Transformation sozialer Beziehungen innerhalb der Stadt und ihres Umlandes.
Während die Narrative über diese Präsenz heute stark variieren – zwischen einer Sichtweise als historische Koexistenz und der Interpretation als stark durch politische und sicherheitsrelevante Umstände geprägt – bleibt eine Konstante bestehen: Raqqa hat sich bislang nicht auf eine endgültige soziale oder politische Identität festgelegt. Alle Bestandteile der Bevölkerung, einschließlich der Kurden, existieren weiterhin innerhalb dieses sich wandelnden Rahmens.
Diese Untersuchung basiert auf diesem Hintergrund, um die kurdische Erfahrung in Raqqa nicht als isoliertes Thema zu behandeln, sondern als Teil einer Stadt, die durch den Krieg mehrfach neu geformt wurde und sich weiterhin in einem Prozess der Selbst- und Gesellschaftsdefinition befindet.
Alltägliche Angst und Rückgang der Präsenz
Einige Zeugenaussagen beschreiben deutliche Veränderungen im Alltag der Kurden innerhalb der Stadt, insbesondere in Bezug auf Bewegung und soziale Interaktion, wobei Identität zunehmend mit Vorsicht verbunden ist.
Junaid sagt: „Unser Leid ist groß. Wir haben sogar Angst, dass unsere Telefone durchsucht werden – was an mehreren Kontrollpunkten bewaffneter Gruppen der Stämme bereits passiert ist. Die Zahl der kurdischen Jugendlichen in der Stadt ist stark zurückgegangen, aus Angst vor Verhaftungen. Viele haben die Region verlassen. Es herrscht eine tägliche Atmosphäre der Einschüchterung gegenüber kurdischen Zivilisten.“
Einige Zeugenaussagen beschreiben deutliche Veränderungen im Alltag der Kurden innerhalb der Stadt, insbesondere in Bezug auf Bewegung und soziale Interaktion, wobei Identität zunehmend mit Vorsicht verbunden ist.
Junaid sagt: „Unser Leid ist groß. Wir haben sogar Angst, dass unsere Telefone durchsucht werden – was an mehreren Kontrollpunkten bewaffneter Gruppen der Stämme bereits passiert ist. Die Zahl der kurdischen Jugendlichen in der Stadt ist stark zurückgegangen, aus Angst vor Verhaftungen. Viele haben die Region verlassen. Es herrscht eine tägliche Atmosphäre der Einschüchterung gegenüber kurdischen Zivilisten.“
Land, Eigentum und soziale Umstrukturierung
Nach weiteren Aussagen beschränken sich die Spannungen nicht auf Sicherheitsaspekte, sondern betreffen auch wirtschaftliche und soziale Strukturen, insbesondere Eigentum und lokalen Handel.
Haval sagt: „Nach der Kontrolle der Stadt durch bewaffnete Stammesgruppen begannen diese, kurdisches Land und Geschäfte zu übernehmen, unter dem Vorwand, es handle sich um informelle Gebiete. Die größten Opfer sind die Kurden der Stadt.“
Nach weiteren Aussagen beschränken sich die Spannungen nicht auf Sicherheitsaspekte, sondern betreffen auch wirtschaftliche und soziale Strukturen, insbesondere Eigentum und lokalen Handel.
Haval sagt: „Nach der Kontrolle der Stadt durch bewaffnete Stammesgruppen begannen diese, kurdisches Land und Geschäfte zu übernehmen, unter dem Vorwand, es handle sich um informelle Gebiete. Die größten Opfer sind die Kurden der Stadt.“
Vertreibung über Jahre hinweg
Einige Bewohner betonen, dass die kurdische Erfahrung in Raqqa nicht auf eine einzelne Phase beschränkt ist, sondern eine kontinuierliche Reihe von Entwicklungen seit 2011 darstellt.
Jamal sagt:„Das Leid der Kurden ist enorm – zwischen fortgesetzten Vertreibungen aufgrund von Drohungen seit 2011 bis heute, insbesondere nach der Kontrolle durch sogenannte Stammesgruppen, die staatliche Entscheidungen nicht respektieren.“
Einige Bewohner betonen, dass die kurdische Erfahrung in Raqqa nicht auf eine einzelne Phase beschränkt ist, sondern eine kontinuierliche Reihe von Entwicklungen seit 2011 darstellt.
Jamal sagt:„Das Leid der Kurden ist enorm – zwischen fortgesetzten Vertreibungen aufgrund von Drohungen seit 2011 bis heute, insbesondere nach der Kontrolle durch sogenannte Stammesgruppen, die staatliche Entscheidungen nicht respektieren.“
Situation vor dem Krieg
Andere Aussagen bieten eine differenzierte Sicht auf die Zeit vor dem Krieg, in der staatliche Kontrolle zwar repressiv war, jedoch anderer Natur als die späteren Phasen.
Kamal sagt: „Vor der syrischen Krise waren die Kurden in der Stadt relativ stabil, trotz der Überwachung durch die Sicherheitsdienste gegen kurdische Aktivisten. Das alte Regime hat die Kurden nicht vertrieben, sondern ihre politische Rolle eingeschränkt.“
Andere Aussagen bieten eine differenzierte Sicht auf die Zeit vor dem Krieg, in der staatliche Kontrolle zwar repressiv war, jedoch anderer Natur als die späteren Phasen.
Kamal sagt: „Vor der syrischen Krise waren die Kurden in der Stadt relativ stabil, trotz der Überwachung durch die Sicherheitsdienste gegen kurdische Aktivisten. Das alte Regime hat die Kurden nicht vertrieben, sondern ihre politische Rolle eingeschränkt.“
Auswirkungen der IS-Zeit
Raqqa wird in der lokalen Erinnerung stark mit der Phase des sogenannten Islamischen Staates verbunden, die als entscheidender Wendepunkt gilt.
Mamo sagt: „Der IS hat massive Vertreibungen von Kurden durchgeführt. Viele Familien verließen Raqqa aufgrund von Bedrohungen durch extremistische Elemente. Heute werden ähnliche Methoden erneut gegen Zivilisten angewandt.“
Raqqa wird in der lokalen Erinnerung stark mit der Phase des sogenannten Islamischen Staates verbunden, die als entscheidender Wendepunkt gilt.
Mamo sagt: „Der IS hat massive Vertreibungen von Kurden durchgeführt. Viele Familien verließen Raqqa aufgrund von Bedrohungen durch extremistische Elemente. Heute werden ähnliche Methoden erneut gegen Zivilisten angewandt.“
Instabile Rückkehr
Nach dem Ende der IS-Kontrolle kehrten einige Bewohner zurück, jedoch berichten Zeugenaussagen, dass Stabilität nicht vollständig erreicht wurde.
Reber sagt: „Ich wurde mehrfach unter dem alten Regime verhaftet. Während der IS-Zeit floh ich nach Kobane. Nach der Befreiung kehrte ich zurück, aber nach dem Rückzug der SDF kehrte dieselbe alte Denkweise zurück.“
Nach dem Ende der IS-Kontrolle kehrten einige Bewohner zurück, jedoch berichten Zeugenaussagen, dass Stabilität nicht vollständig erreicht wurde.
Reber sagt: „Ich wurde mehrfach unter dem alten Regime verhaftet. Während der IS-Zeit floh ich nach Kobane. Nach der Befreiung kehrte ich zurück, aber nach dem Rückzug der SDF kehrte dieselbe alte Denkweise zurück.“
Anhaltende Unsicherheit im Alltag
Weitere Aussagen beschreiben ein dauerhaftes Gefühl der Unsicherheit im täglichen Leben.
Mukhtar sagt: „Trotz aller Veränderungen in Raqqa – vom alten Regime über den IS bis zu heutigen lokalen Gruppen – bleibt die Lage der Kurden unverändert. Wir erleben weiterhin ständige Bedrohungen auf Märkten, Straßen und in Schulen.“
Verhaftungen und Zukunftsangst
In einigen Fällen geht die Unsicherheit über allgemeine Angst hinaus und umfasst konkrete Erfahrungen mit Verhaftungen.
Jomo sagt: „Mein Bruder wurde innerhalb eines Monats mehrmals verhaftet, und wir kennen sein Schicksal nicht. Wir versuchen, die Stadt zu verlassen, aber wir haben Angst, keinen sicheren Ort zu finden, da wir seit den 1960er Jahren in Raqqa leben.“
In einigen Fällen geht die Unsicherheit über allgemeine Angst hinaus und umfasst konkrete Erfahrungen mit Verhaftungen.
Jomo sagt: „Mein Bruder wurde innerhalb eines Monats mehrmals verhaftet, und wir kennen sein Schicksal nicht. Wir versuchen, die Stadt zu verlassen, aber wir haben Angst, keinen sicheren Ort zu finden, da wir seit den 1960er Jahren in Raqqa leben.“
Investigativer Abschluss
Die in dieser Untersuchung präsentierten Aussagen zeigen, dass Raqqa nicht lediglich eine Stadt ist, die während des Krieges wechselnde Herrschaftsformen erlebt hat. Vielmehr handelt es sich um einen komplexen sozialen Raum, der sich unter dem Druck aufeinanderfolgender Transformationen immer wieder neu konstituiert hat – von zentralstaatlicher Kontrolle über bewaffnete Gruppen und den Islamischen Staat bis hin zur aktuellen Phase unter Beteiligung der SDF.
In diesem Kontext kann die kurdische Realität in Raqqa nicht als statischer Zustand verstanden werden. Sie ist vielmehr ein dynamisches Gefüge, das sich je nach Machtverhältnissen, territorialer Kontrolle und Sicherheitslage verändert. Die Aussagen spiegeln ein Spannungsfeld zwischen Angst, alltäglicher Koexistenz und einer langen Geschichte wiederkehrender Umbrüche wider, die keine stabile soziale Ordnung zugelassen haben.
Zugleich zeigen die unterschiedlichen Narrative, dass es innerhalb der Stadt keine einheitliche Deutung der aktuellen Situation gibt. Während einige anhaltende Unsicherheit betonen, sehen andere eine Fortsetzung der Entwicklungen seit 2011. Dazwischen entsteht ein grauer Raum, der schwer eindeutig zu definieren ist, jedoch eine instabile gesellschaftliche Realität widerspiegelt.
Damit wird Raqqa zu einem Mikromodell eines größeren syrischen Problems: dem Versuch, die Beziehung zwischen Staat und Gesellschaft nach Jahren des Krieges neu zu gestalten, und der Frage, wie lokale Identitäten – einschließlich der kurdischen – ihre Position in einem weiterhin unvollständig stabilisierten politischen Raum neu definieren können.
Letztlich geht es nicht nur um Präsenz oder Abwesenheit, sondern um die Bedingungen dieser Präsenz, ihre Ausdrucksformen und die Möglichkeit, sie von einer stillen oder angespannten Existenz in eine stabile und anerkannte soziale Realität zu überführen.
Diese Untersuchung liefert daher keine endgültigen Antworten, sondern öffnet Fragen über die zukünftige Balance in Raqqa: ob sich die Stadt in Richtung einer schrittweisen sozialen Reintegration entwickelt oder ob die bestehenden Spannungen weiterhin unter der Oberfläche bestehen bleiben und bei neuen politischen Verschiebungen erneut aufbrechen.
In jedem Fall bleibt Raqqa eine Stadt im offenen Prozess – eine Stadt, deren soziale und politische Identität weiterhin im Entstehen begriffen ist.
Die in dieser Untersuchung präsentierten Aussagen zeigen, dass Raqqa nicht lediglich eine Stadt ist, die während des Krieges wechselnde Herrschaftsformen erlebt hat. Vielmehr handelt es sich um einen komplexen sozialen Raum, der sich unter dem Druck aufeinanderfolgender Transformationen immer wieder neu konstituiert hat – von zentralstaatlicher Kontrolle über bewaffnete Gruppen und den Islamischen Staat bis hin zur aktuellen Phase unter Beteiligung der SDF.
In diesem Kontext kann die kurdische Realität in Raqqa nicht als statischer Zustand verstanden werden. Sie ist vielmehr ein dynamisches Gefüge, das sich je nach Machtverhältnissen, territorialer Kontrolle und Sicherheitslage verändert. Die Aussagen spiegeln ein Spannungsfeld zwischen Angst, alltäglicher Koexistenz und einer langen Geschichte wiederkehrender Umbrüche wider, die keine stabile soziale Ordnung zugelassen haben.
Zugleich zeigen die unterschiedlichen Narrative, dass es innerhalb der Stadt keine einheitliche Deutung der aktuellen Situation gibt. Während einige anhaltende Unsicherheit betonen, sehen andere eine Fortsetzung der Entwicklungen seit 2011. Dazwischen entsteht ein grauer Raum, der schwer eindeutig zu definieren ist, jedoch eine instabile gesellschaftliche Realität widerspiegelt.
Damit wird Raqqa zu einem Mikromodell eines größeren syrischen Problems: dem Versuch, die Beziehung zwischen Staat und Gesellschaft nach Jahren des Krieges neu zu gestalten, und der Frage, wie lokale Identitäten – einschließlich der kurdischen – ihre Position in einem weiterhin unvollständig stabilisierten politischen Raum neu definieren können.
Letztlich geht es nicht nur um Präsenz oder Abwesenheit, sondern um die Bedingungen dieser Präsenz, ihre Ausdrucksformen und die Möglichkeit, sie von einer stillen oder angespannten Existenz in eine stabile und anerkannte soziale Realität zu überführen.
Diese Untersuchung liefert daher keine endgültigen Antworten, sondern öffnet Fragen über die zukünftige Balance in Raqqa: ob sich die Stadt in Richtung einer schrittweisen sozialen Reintegration entwickelt oder ob die bestehenden Spannungen weiterhin unter der Oberfläche bestehen bleiben und bei neuen politischen Verschiebungen erneut aufbrechen.
In jedem Fall bleibt Raqqa eine Stadt im offenen Prozess – eine Stadt, deren soziale und politische Identität weiterhin im Entstehen begriffen ist.
Redaktioneller Hinweis
Alle Namen wurden zum Schutz der Quellen geändert.
Alle Namen wurden zum Schutz der Quellen geändert.

